„Ihre Stimme wird uns fehlen in München“

Nach fast 26 Jahren an der Spitze der Inneren Mission München ist Vorstand Günther Bauer mit einem Festgottesdienst in der Christuskirche jetzt in den Ruhestand verabschiedet worden. Unter der Ägide des promovierten Pfarrers hat sich die Innere Mission zum größten diakonischen Träger im Kirchenkreis München und Oberbayern entwickelt und auch deutlich an sozialpolitischem Gewicht gewonnen. Im Geschäftsbereich München arbeiten derzeit rund 3.200 Hauptamtliche; in zehn stationären Pflegeeinrichtungen bietet die Innere Mission etwa 1.400 Plätze an, in 18 Kindertagesstätten rund 1.300 Plätze.

Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Bornmüller würdigte Bauers entschiedenes sozialpolitisches Handeln, das stets auf die Maximen „Menschlichkeit und Freiheit“ ausgerichtet gewesen sei. Obwohl sich die Rahmenbedingungen in nahezu allen Belangen während seiner Amtszeit ganz elementar verändert hätten, habe er eine „außerordentliche Lebensleistung“ vorzuweisen. „Auf die hohe Komplexität haben Sie klug und weitsichtig mit einer wirksamen Neuausrichtung der Unternehmensorganisation reagiert.“

Stadtdekanin Barbara Kittelberger sagte, Bauer habe „mit Fachkenntnis und Gestaltungswillen kluge sozialpolitische Akzente gesetzt“. Trotz zahlreicher Managementaufgaben sei er „in allem auch immer Pfarrer geblieben, der aktuelle theologische Fragen diskutiert hat“.

Für das Diakonische Werk Bayern hob Präsident Michael Bammessel Bauers Verdienste hervor, „die weit über die Grenzen Bayerns hinausreichen“. Bauer sei streitbar und deshalb auch profiliert gewesen, so Bammessel. Und wörtlich: „Sie scheuten sich nicht, laut und vernehmlich auf Missstände aufmerksam zu machen, auch wenn das für andere nicht immer bequem war wie beispielsweise bei der Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge.“ Zudem habe er sich nie mit schnellen Lösungen zufriedengegeben, sondern sei stets bereit gewesen, „eine Sache auch mal gegen den Strich zu bürsten“.

Josef Mederer, Präsident des Oberbayerischen Bezirkstags, lobte Bauers unermüdlichen Einsatz, um negative gesellschaftliche Entwicklungen abzufedern. Unter seiner Ägide habe sich die Innere Mission zu einem „hochmodernen Sozialunternehmen“ entwickelt. Mittelpunkt seines Handelns sei stets gewesen, soziale Mängel aufzudecken. Dazu habe er seine Stimme erhoben, „nicht laut, aber auch nie überhörbar“. Auf Augenhöhe und in wertschätzender Partnerschaft seien so „gewaltige Aufgabenfelder abgearbeitet worden“. 

Für die kommunale Ebene betonte Bürgermeisterin Christine Strobl in Vertretung des erkrankten OB, Bauers Verdienste um das soziale München könne „man kaum in Worte fassen“. Die Innere Mission mit ihren Einrichtungen sei „eine Säule des sozialen Friedens in unserer Stadt“. Die Bürgermeisterin machte das exemplarisch an drei Ereignissen fest: dem Einsatz für die Flüchtlinge ab dem Herbst 2015, das Engagement für wohnungslose Menschen und das für straffällig Gewordene. Und auch wenn man mal nicht einer Meinung war, „haben wir im positiven Sinne einen Strauß ausgefochten und sind stets zu einem guten Ende gekommen“. Man werde seine Stimme in vielen Bereichen vermissen, sagte Strobl; zugleich sei sie sich aber sicher, dass er auch in Zukunft seine Stimme erhebe. „Und das ist auch gut so.“

Bauer selber sagte in seiner Abschiedsrede, die Diakonie verstehe er als Unternehmen „im Gegensatz zum Unterlassen“. „Die Innere Mission hat immer etwas unternommen, wenn wir gesehen haben, dass es nötig ist.“ Gleichzeitig hielt er ein Plädoyer für die Vielfalt, die in seinem Verband herrsche: „Vielfalt ist eine Folge der Freiheit, dass Gott uns liebt und anerkennt, ohne dass wir uns seine Gnade erst erkaufen müssten.“ Vielfalt mache unser Leben bunt und reich, sei aber auch anstrengend. Vermeintlich einfache Lösungen mit einer unmenschlichen Ideologie des „First“ führten jedoch zu Ausgrenzung. Und wörtlich: „First spaltet, teilt Menschen ein in Gruppen, führt zu Rassismus und leistet Unmenschlichkeit Vorschub.“ Der christliche Glauben betone dagegen „die Gleichheit aller Menschen – nicht nur vor Gott.“

Klaus Honigschnabel
Leiter Unternehmenskommunikation
Innere Mission München